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Wallbox im Mehrparteienhaus: Wie die Ladeinfrastruktur geplant wird

Im Mehrparteienhaus ist die Wallbox zuerst eine organisatorische und erst danach eine technische Frage. Eigentümerinnen und Eigentümer haben nach heutiger Rechtslage grundsätzlich einen Anspruch darauf, eine Lademöglichkeit zu bekommen; auch Mieterinnen und Mieter können eine solche Maßnahme verlangen. Über die Art der Ausführung entscheidet aber die Gemeinschaft, und genau dort liegt der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Lösung.

Der Beschluss kommt vor der Technik

Der Weg führt über die Eigentümerversammlung. Der Anspruch besteht dem Grunde nach, die Gemeinschaft darf jedoch bestimmen, wie umgesetzt wird. Das ist sinnvoll, denn eine Anlage, die für eine einzelne Partei gebaut wurde, blockiert oft alle späteren. Die Einzelheiten regelt das Wohnungseigentumsrecht; die Beratung im konkreten Fall gehört in juristische Hand.

Praktisch bewährt hat sich, den Antrag nicht als Einzelwunsch zu stellen, sondern als Konzept für das ganze Haus. Wer der Versammlung zeigt, wie später jeder Stellplatz angeschlossen werden kann, bekommt eher Zustimmung als jemand, der eine Leitung zu seinem eigenen Platz durchsetzen will.

Warum das Gesamtkonzept entscheidend ist

Der typische Fehler in Tiefgaragen: Die erste Partei baut ihre Wallbox mit einer eigenen Leitung, die zweite auch, die dritte findet keinen Platz mehr, und beim vierten Antrag stellt sich heraus, dass der Hausanschluss am Ende ist. Dann muss zurückgebaut und neu gemacht werden, und niemand will es bezahlen.

Ein tragfähiges Konzept sieht deshalb von Anfang an eine gemeinsame Grundstruktur vor: eine ausreichend bemessene Zuleitung in die Garage, eine Unterverteilung dort, ein Lastmanagement, das die verfügbare Leistung auf die ladenden Fahrzeuge verteilt, und vorbereitete Anschlusspunkte an den Stellplätzen. Jede Partei setzt darauf später ihre eigene Box.

Lastmanagement ist hier die Regel

Würden alle Wallboxen gleichzeitig mit voller Leistung laden, wäre praktisch jeder Hausanschluss überfordert. Ein Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung: Wer allein lädt, lädt schnell, wer zu mehreren lädt, langsamer. Im Alltag fällt das kaum auf, denn Fahrzeuge stehen über Nacht ohnehin lange genug.

Zum Konzept gehört auch die Abrechnung. Geladener Strom muss der einzelnen Partei zugeordnet werden können, sonst zahlt die Gemeinschaft. Dafür braucht es geeichte Messtechnik und eine Vereinbarung, wie abgerechnet wird. Diese Frage sollte vor dem Bau geklärt sein, nicht nach der ersten Jahresabrechnung.

  • Beschluss in der Eigentümerversammlung
  • Konzept für alle Stellplätze statt Einzellösung
  • Prüfung des Hausanschlusses und der Reserven
  • Gemeinsame Zuleitung und Unterverteilung in der Garage
  • Lastmanagement und geeichte Messung je Stellplatz
  • Regelung von Kosten, Wartung und Haftung

Wer zahlt was

Üblich ist eine Aufteilung zwischen der gemeinsamen Grundstruktur und der individuellen Ladeeinrichtung. Wie genau verteilt wird, hängt vom Beschluss ab. Wichtig ist, dass auch geregelt wird, was passiert, wenn später weitere Parteien dazukommen: Beteiligen sie sich nachträglich an der Grundstruktur, und wenn ja, wie? Ohne diese Regelung entsteht Streit, sobald die zweite Welle kommt.

Ebenso zu klären: Wem gehört die Anlage, wer wartet sie, wer haftet, und was geschieht beim Verkauf der Wohnung. Diese Fragen wirken lästig, solange alles funktioniert, und sind der eigentliche Grund für Konflikte, sobald etwas nicht funktioniert.

Der Weg für Mietende

Wer zur Miete wohnt, wendet sich an die Vermieterseite. Auch hier gilt ein grundsätzlicher Anspruch, über die Ausführung wird aber gemeinsam entschieden, und in einer Eigentümergemeinschaft muss die Vermieterseite ihrerseits den Beschluss herbeiführen. Rechnen Sie deshalb mit einem längeren Vorlauf und stellen Sie Ihren Antrag schriftlich und begründet.

Fazit

Im Mehrparteienhaus entscheidet nicht die Technik, sondern die Reihenfolge: erst das Konzept für alle, dann der Beschluss, dann die Installation. Wer die gemeinsame Grundstruktur mit Lastmanagement und Messung von Anfang an mitdenkt, macht die späteren Anschlüsse einfach. Wer nur an den eigenen Stellplatz denkt, macht sie für alle teuer.

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